Wandmalerei am Lagerhaus Obervellach

08.04.2024


Kunstwand im Zentrum von Obervellach 
Point: 9821 Obervellach 164
Video über den Künstler bei der Arbeit

Der gebürtige Mölltaler Raphael Pesentheiner entführt die Besucherinnen und Besucher mit seiner monumentalen Wandmalerei am Lagerhausturm Obervellach in die bewegte Geschichte und traditionsreiche Kultur seiner Heimat. Mit sicherem Gespür für Details, Atmosphäre und historische Zusammenhänge erzählt er von Menschen, die das Mölltal über Jahrhunderte geprägt haben – von harter Arbeit, Gemeinschaft und tief verwurzelter Verbundenheit mit der Natur.

Die ostseitige Wand widmet sich dem historischen Beruf der Glockner Säumer. Im Hintergrund erhebt sich majestätisch der Großglockner, Österreichs höchster Berg, der den Beginn des oberen Mölltales markiert. Über Jahrhunderte hinweg transportierten Säumer ihre Lasten auf dem Rücken von Pferden, Maultieren, Mauleseln oder Ochsen über die Saumpfade und Pässe der Alpen. Salz gelangte vom Norden in den Süden, Wein vom Süden nach Norden. Gehandelt wurde zudem mit Seide, Samt, Reis, Korn, Brokat, Wolle, Käse und Öl. Der Saumhandel war für viele Alpentäler eine zentrale Einnahmequelle. Die Säumer arbeiteten selbstständig, oft im Auftrag fremder Kaufleute oder organisiert in Säumergenossenschaften. Der Begriff „Saum“ – heute kaum mehr gebräuchlich – bedeutete einst schlicht Last und gab diesem anspruchsvollen Beruf seinen Namen.

Der fließende Übergang zur nordseitigen Wand zeigt die harte Realität der Bergbauern im Mölltal. An steilen Hängen trotzen sie seit Generationen der Schwerkraft. Auch heute noch wird vielerorts mit der Sense gemäht – eine Arbeit, die Kraft, Geschick und Ausdauer verlangt. Pesentheiner macht hier die tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihrer Landschaft sichtbar: eine stille, tägliche Auseinandersetzung mit der Natur, geprägt von Respekt und Beharrlichkeit.

Auf der westseitigen Wand steht eine Bauernfamilie bei der Heuernte im Mittelpunkt. Gemeinsam ziehen sie das Heu mühsam von den steilen Wiesen hinauf zum Hof – unterstützt von Ochse oder Pferd, bei Kleinkeuschlern oft auch nur von einer Kuh. Noch vor rund 80 Jahren gehörten Dienstmägde und Knechte auf vielen Höfen zum Alltag. Sie verrichteten schwere Arbeiten, erhielten Lohn sowie freie Kost und Logis, manchmal auch Kleidung und Schuhe. In kinderreichen Familien halfen bereits die Jüngsten von klein auf bei der Arbeit mit. Unterhalb dieser Szene öffnet sich der Blick in eine weitere prägende Welt des Mölltals: den Bergbau. Der Künstler zeigt die Mölltaler Bergknappen, die einst aus ganz Europa ins Hochgebirge kamen. Erzgruben sowie Silber- und Goldbergwerke lagen in den Höhen des Tals. In Flattach fanden sich Kupfer, hochwertiges Eisen und Gold. Der Goldabbau reicht dabei am weitesten zurück und gab der Goldberggruppe ihren Namen. Das älteste noch erhaltene Bergwerksverzeichnis in Obervellach belegt, dass um 1480 in der „Teuchl“ Silber abgebaut wurde. Zur Zeit des Edelmetallbergbaus war das heutige Gemeindeamt Wohnsitz der Gewerkenfamilie Schlaminger, einer der bedeutendsten Bergwerksbetreiber des Mölltals. Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Bergwerke Österreichs einem obristen Bergmeister unterstellt. Aufgrund der besonderen Bedeutung Obervellachs wurde 1509 Lamprecht Zäch zum ersten Oberstbergmeister für die habsburgischen Länder mit Sitz in (Ober-)Vellach ernannt. Durch die habsburgische Länderteilung 1564 erstreckte sich sein Zuständigkeitsbereich auf Innerösterreich – darunter Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Triest sowie die Besitzungen in Istrien und Friaul. Über 270 Jahre hinweg war Obervellach das Zentrum der Bergbauverwaltung des Habsburgerreiches und erlangte dadurch überregionale Bedeutung.

Auch heute noch sind die Nachkommen dieser stolzen Bergarbeiter in ganz Europa als Tunnelbauarbeiter gefragt – und führen das Erbe ihrer Vorfahren fort. Jede Seite des Lagerhausturms erzählt eine eigene, tief verwurzelte Geschichte. Zusammen ergeben sie ein lebendiges Mosaik des Mölltals – geprägt von Natur, Arbeit, Gemeinschaft und menschlichem Willen.

Das Lagerhaus Obervellach hat durch die Bereitstellung von Material und Gerätschaften dieses Projekt unterstützt! Diese Zuwendung hat wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Projekt erfolgreich realisiert werden konnte. Dieses Engagement ist ein wunderbares Beispiel für gelebte Verantwortung und lokale Unterstützung, was motiviert und bestärkt!